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Aeternissimum aeternitatis - Rom im November
Immer wieder und jedesmal von Neuem: Rom ist zum Niederknien.
Das war es auch schon kurz nach meiner Matura, damals, als Fernsehen noch schwarz-weiß war und das Wünschen noch geholfen hat. Zufällig ergab sich die Möglichkeit, ein Jahr in Rom zu verbringen: ich sollte US-amerikanische Studentinnen und Studenten in Rom betreuen, führen und verwöhnen. Zumindest was letzteres und zumindest was erstere betraf habe ich mich redlich bemüht.
Es handelte sich um Gruppen, die 58 Tage durch Europa reisten ("If this is Tuesday, this must be Belgium"), davon verbrachten sie drei Tage in Rom. Eine kleine Hürde war, dass ich damals noch nicht Italienisch konnte und Rom praktisch nicht kannte. Man kann mit Enthusiasmus viel wettmachen, auch Rom. Die StudentInnen waren ebenso alt und ahnungslos wie ich, und irgendwann hatte ich alle Fehler, die man begehen kann, durch. Ich hatte mich zu Fuss mit 40 Menschen im Schlepptau nahe, aber nicht nahe genug der Piazza Navona so verlaufen, dass das Eis bei Tre Scalini ins Wasser fiel, und ich auch. Ein paar Jungs aus South Dakota warfen mich kurzerhand in einen der herrlichen Brunnen, was aber nicht böse gemeint war. Ich hatte Caesaren und Päpste, Kirchen und Tempel, Ruinen und Baustellen durcheinandergebracht, und was immer wir auf der Via Appia oder im Forum Romanum sahen, wurde flugs auf ein Alter geschätzt, wobei ein paar Jahrhunderte keine große Rolle spielten, mir nicht und ihnen schon gar nicht.
Irgendwann war alles eingespielt, so sehr, dass alle vier Abende der selbe Taxifahrer bereitstand, damit ich dem nachgehen konnte, was mich eigentlich primär interessierte: ein Privatissimum für eine der eben neu Angekommenen. Kurze Fahrt durch Rom bei Nacht, rauf auf auf den Gianicolo, Blick über die Ewige Stadt, die selben zärtlichen Worte alle vier Abende, ein Drink bei Alberto oder zwei, und irgendwann spät wurde der Nachtportier geweckt, damit wir den Rest der Nacht noch sinnvoll verbringen konnten. Dann blieben noch drei Nächte, die auch eher kurz waren, bevor es Abschiednehmen hieß und die nächste Gruppe kam. Es war ein gutes Jahr, und wir waren sehr jung und sehr vor AIDS.
Der Nachtportier hieß Massimo und hasste mich inbrünstig. Massimo war tief gläubig, hatte Hauchbilder von Heiligen in seiner Koje, von der aus er den Hoteleingang überwachte, und betrachtete mich als Inkarnation der Promiskuität und des Bösen, mit meinem Zimmer voller Chivas-Flaschen und meinen rhythmisch wechselnden Begleiterinnen.
Im Laufe jenes Jahres kamen früher oder später die meisten meiner Freunde in Rom vorbei und besuchten mich. Einer kam zufällig auch spät an, läutete Massimo heraus und fragte nach mir: des Italienischen nicht kundig, blieb ihm nichts anderes übrig als zu improvisieren. Das hätte er nicht tun sollen. Noch selten spiegelte ein Gesicht eine dermaßen heftig stattgefunden habende Erschütterung wider wie die von Massimo, als er nach "Monsignore Alessandro" gefragt wurde.